Syrien

Die Freie Syrische Armee wurde gegründet, um unbewaffnete Demonstranten vor Assads Soldaten zu schützen. Sie zu bewaffnen würde zu einem Ende des Blutvergießens beitragen, denn in welchem Verhältnis die Waffen unter den Konfliktparteien verteilt sind, ist von größerer Bedeutung als ihre schiere Menge.

Mit diesen Worten argumentiert Emir Suljagic in der Zeit für eine Bewaffnung der syrischen Opposition. Suljagic, das ist nicht irgendwer und sein Text kein Produkt journalistischer Kommentar-Routine. Als bosnischer Autor, Publizist und Überlebender des Massakers in Srebrenica, dem im Sommer 1995 Tausende bosnischer Zivilisten zum Opfer fielen, weiß er, wovon er spricht. Und doch fällt es mir, als einem, der sich lange als Pazifist bezeichnet hat, nicht leicht, sein Plädoyer für eine militärische Intervention zu unterstützen. Stoßen mich seine Worte doch gerade auf die Frage, die sich jeder pazifistisch orientierte Mensch hin und wieder stellt, der sich nicht völlig hinter einer Ideologie verschanzt hat. Ob man es sich nämlich in seiner strikten Ablehnung jeglicher militärischer Intervention nicht zu gemütlich eingerichtet hat. Continue reading

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Zugfahrt

Zugfahrt

Zugfahrt

Durch den Gang eilt einer, der verschwitzt aussieht, obwohl er friert in seinem dunkelgrün karierten Hemdchen. Es folgt einer, dessen gelber Anorack nicht zugeknöpft, sondern hermetisch versiegelt ist, dessen akkurat geschnittene, blonde Bürofrisur ihn viel zu alt wirken lässt für sein Schuljungengesicht, das er altklug in die Welt hält, mit gerecktem Zeigefinger und gespitzten Lippen zwecks exakter Aussprache: „Nein, Mutter. Wagen Zweiundneunzig, nicht Wagen Neunundzwanzig!“ Mutter taumelt hinter ihm her. Nebenan pflegt jemand Freundschaften per Telefon, fragt, warum die Bekannte am anderen Ende der Leitung sauer auf „ihn“ sei und ob „die anderen Jungs auch dabei gewesen sind“. Dass sie Weihnachten hasse und die Menschen, mit denen sie es zu verbringen gezwungen sei. Dass sie „sogar“ auf deren Geldgeschenke zu verzichten bereit wäre, könnte sie ihnen nur fernbleiben. Continue reading

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Besser als die anderen

Es ist schon eine Weile her...

Es ist schon eine Weile her...

Es ist schon eine Weile her, da standen wir im Raum mit zu langen Gliedmaßen und schrägen Gesichtern. Alles an uns war zu schnell gewachsen, unsere anatomischen Proportionen waren der Leinwand eines ungeübten Hobbypastellfarbenarrangeurs entsprungen. Beine und Arme und Köpfe waren unkontrollierte Proteinschübe, die in die Welt geschossen waren, um sich erst anschließend darüber klar zu werden, was sie dort genau vorhatten. Unsere riesigen Augen, die alles sehen wollten und binnen fünf Minuten überzeugt waren, das meiste schon so oder so ähnlich gesehen zu haben. Unsere riesigen Mäuler, die alles sagen wollten und alsbald alles gesagt zu haben glaubten. Unsere pulsierenden Hirne, die alles zu verstehen glaubten und noch nicht einsahen, das an ihrem Ende nichts als Hypothesen und Näherungsgleichungen den neuronalen Darmausgang verließen. Continue reading

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STOPP ACTA (Köln)

acta1

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Anti-Acta Demo in Köln und Bonn

In einem Wort: Wow. 16000 in München. 10000 in Berlin. Und immerhin 2000 in Köln. Vor allem in Deutschland wurde heute auf der Straße ein deutliches Signal gegen Acta gesetzt. Spätestens jetzt ist Acta kein Nischenthema mehr, die Aufklärung über Blogs und soziale Netzwerke hat Wirkung gezeigt und auch die etablierten Medien ziehen mittlerweile nach.

Leider war die Route der Kölner Demonstration einigermaßen unvorteilhaft, da man die meiste Zeit abseits der Innenstadt zubrachte. Und auch die Demonstrationsbeschallung war etwas kontraproduktiv: Continue reading

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Spontane Erleuchtung?

Nachdem das Auswärtige Amt seine Weisung, das Acta-Abkommen zu unterzeichnen, zurückgezogen hat, ist das Thema endlich auch auf tagesschau.de angekommen. Dort heißt es, Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger habe Bedenken angemeldet und so den Stopp der Ratifizierung herbeigeführt. Das ist einigermaßen erstaunlich, versuchte sie doch noch kurz zuvor, solche Bedenken gegen Acta zu zerstreuen: „Aus dem Abkommen lasse sich keine Aufforderung zur Veränderung der geltenden Rechtslage ableiten, in welche Richtung auch immer“, hatte sie noch vor wenigen Tagen erklärt. Continue reading

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11.02.12: Weltweiter Protest gegen Acta!

Update: Eben flattert mir die Eilmeildung per Twitter ins Haus, Deutschland werde Acta vorerst nicht unterzeichnen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber KEIN GRUND morgen zu Hause zu bleiben! Der Druck aus der Bevölkerung hat die Politik zum Einlenken bewegt, aber noch ist NICHTS gewonnen! Acta ist noch nicht endgültig gestoppt! Geht morgen auf die Straße!

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Vielfalt

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Nimm dir was du brauchst

Nimm dir was du brauchst

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Gerechtigkeit dem Mäzenatentum!

Gerechtigkeit dem Mäzenatentum!

Gerechtigkeit dem Mäzenatentum!

Auf dem Flur ein Geruch, der sich nicht ganz zwischen Zahnarztpraxis und Finanzamt entscheiden kann, dahinter ein weiträumiges Besprechungszimmer. Uniforme, weiße Tische in quadratischer Anordnung. Vorne ein Notebook, das mittels Beamer seinen Desktop an die Wand projeziert. Die Leiterin der Forschungseinrichtung stellt die Tätigkeiten des Instituts vor, schwankt in ihrem Vortrag zwischen fachlichen, organisatorischen und verwaltungstechnischen Aspekten. Irgendwann geht es um die Zielgruppe der Publikationen, die das Institut in großer Zahl hervorbringt. Darunter auch Dokumentarfilme, die sich durchaus an die allgemeine Öffentlichkeit richten. Dieser jedoch nur begrenzt präsentiert werden können. Aus den Reihen der Zuhörer wird die Frage aufgeworfen, warum nicht die institutseigene Webseite die Filme zum Download oder Stream anbietet. Die Leiterin nickt. Sie sagt, man denke darüber nach. Aber. Ihr sei unwohl bei dem Gedanken. Denn. Wenn jeder den Film online abrufen könne, sei nicht mehr sicher gestellt, dass der Film als Ganzes wahrgenommen werde. Der Film sei, von seiner medialen Veranlagung her, ein Gesamtkonstrukt, er sei durchkomponiert, sei dafür da, im Ganzen gesehen und bewertet zu werden. Man müsse noch darüber entscheiden, ob und wenn ja wie die filmischen Publikationen des Instituts in die Webseite eingebunden werden. Es sei auch denkbar, nur Ausschnitte der Filme, Trailer sozusagen, online zugänglich zu machen. Dann könne das geneigte Onlinepublikum den Film ja immer noch auf analogem Wege beim Institut käuflich erwerben oder leihen. Continue reading

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